
Die Berliner Standespolitik ist geprägt durch emotionale Aufheizung und „Skandale“, die im Fehlverhalten einzelner Kollegen liegen. Vorurteilsfreie Diskussionen mit der „großen Politik“ werden so verhindert.
Die Standespolitik sieht sich oft einer übermächtigen Allianz aus Interessenvertretungen von Krankenkassen , Versicherungen und Politikern gegenüber. Bequemlichkeit, falschem Machtbewusstsein und Traditionsdenken in unseren Reihen können und müssen wir Zahnärzte mehr Sachlichkeit und Aufklärung gegenüberstellen.
Dies wird aber von einigen Kollegen nicht gewollt. Standesfürsten schützen sich vor allem gegenseitig, statt Selbstkontrolle auszuüben. Sie meinen immer automatisch Recht zu haben und Recht zu bekommen. Die Erfolge sind deshalb sehr dürftig und die verfehlte Standespolitik lässt sich in den letzten Jahrzehnten als „Rückzugsgefecht“ aus der Freiberuflichkeit beschreiben.
Der allgemeine Verdruss über die Standespolitik wird damit sicherlich nur teilweise erklärt ist aber sehr zu bedauern!
Verbandszugehörigkeit, Linientreue und über viele Jahre gewachsene Abhängigkeiten dürfen nicht mehr zählen, als konstruktives, kritisches, sachliches und damit an unserer Zukunft und unserem Wohl sich orientierendes Engagement für alle Kollegen. Wir alle müssen in der Standespolitik über Gräben und Gegensätzlichkeiten der Verbände und Gruppierungen hinweg zur aktiven, positiven Mitgestaltung kommen.
Positionsbestimmung
Der erste Blick wird auf die Entwicklung im europäischen Rahmen gelegt, insbesondere dort, wo die europäische Gesetzgebung die nationale überlagern kann. Fast alle Länder weisen dramatische Umbrüche in der Gesundheitspolitik auf, die sich teilweise in der „Europäischen Gesetzgebung“ wieder finden.
Neuformationen, Informationen und Entwicklungen sind notwendig um verkrustete Strukturen zu erkennen und, wo nötig, aufzubrechen.
Was für den Europäischen Rahmen gilt, gilt selbstverständlich auch für den standespolitischen Rahmen bei uns.
Traditionsgruppierungen wie der Verband der Zahnärzte von Berlin oder der Freie Verband haben sehr viele Probleme der Standespolitik in der Vergangenheit nicht lösen können oder sogar noch verschärft. Durch ungeschickte, falsche Kommunikation wird oft zur Verhärtung der Fronten zwischen Politik und Standespolitik beigetragen. So werden Gräben quer durch die Zahnärzteschaft gezogen!
Man hat sich auf „Erbhöfe“ eingestellt. So wurde jede Veränderung, jede Zusammenarbeit mit der sog. Opposition unverzüglich und von Beginn an„verteufelt“ oder diffamiert, weil das angeblich nötig ist um die „alte Standespolitik“ in den eigenen Reihen zu sichern. Festgehalten aber werden sollen vor allem, die auch finanziell selbstverständlich opulent abgesicherten Positionen. Jeder, der in diesem Strom zur Sicherung der alten Macht nicht mitziehen will, wird abgestraft, diffamiert, mit dem Versuch ihn ins standespolitische Abseits zu schieben. Kritik und Argumente, die nicht auf der Verbandslinie liegen sind unerwünscht, unerhört und überflüssig sowieso, weil sie u.a. nur die Ruhe der so etablierten „guten, alten Standespolitik" stören, die ja schon seit vielen Jahren „prima“ läuft und natürlich nach Meinung der Posteninhaber keiner Änderung bedarf.
Bei Licht besehen handelt es sich um wenige Personen, die ihre persönliche Macht sichern wollen. Darauf werden dann auch die Wahlbündnisse ausgerichtet.
Eine tatsächliche Neuorientierung wird als bedrohliche „Apokalypse“ für alle Kollegen beschrieben und mit deren Scheu vor wirklichen Neuerungen wird versucht Wählerstimmen zu fangen, wobei man auch nicht vor schweren Übertreibungen zurückschreckt. Es ist fast jedes Mittel recht, um die Macht zu behalten.
Kritik ist wichtig. Sie muss angemessen, treffend und richtig sein. Kritik, wenn sie vernünftig ist, gehört zur positiven Streitkultur und damit auch zur fruchtbaren Standespolitik.
Auch wenn es viel zu kritisieren gibt, muss das Ziel der Kritik das Aufdecken von Missständen sein, die mit konstruktiven Vorschlägen versehen sein, mindestens aber Lösungsansätze aufzeigen sollten, zum Wohl möglichst aller Kollegen und Kolleginnen. Kommunikationspartnerschaft, auch zur Politik ist erforderlich. Diffamierungen schaden.
Es sollte aus der Opposition heraus eine neue Kraft entstehen, die gute Strukturen, Regelwerke etc. übernehmen kann, wo es sinnvoll ist und Verbesserungen durchführt, wo es notwendig ist.
Nicht alles ist schlecht! Gerade Teile der Kammerarbeit sind solide und wirtschaftlich durchaus erfolgreich.
Vor allem aber sollen neue erforderliche Wege gefunden werden, um „Erbhöfe“ zu überwinden. Einige Gründe für standespolitische Verdrossenheit, Gründe für extrem geringe Wahlbeteiligung sind die Monopole auf die standespolitischen Machtpositionen und damit verbundener Stillstand!
Zu demokratischen Spielregeln gehört auch demokratischer Wettbewerb. Keine unserer standespolitischen Institutionen muss sich durch demokratische, hinterfragte Regeln in Gefahr wähnen. – ABER SIE MUß SICH IN GEFAHR WÄHNEN, WENN ERBHÖFE ODER MONOPOLE AUF DIE STANDESPOLITISCHE MACHT UM JEDEN PREIS ERHALTEN WERDEN SOLLEN!!!
Viele unserer Kollegen ziehen sich lleider frustriert in ihren Praxisalltag zurück.Sie wollen, verdrossen, nichts mit der für uns alle so wichtigen Standespolitik zu tun haben, sind froh sich nicht engagieren zu müssen. Die Teilnahme , die Stimmabgabe für die Kammerwahl wird dann schon als zu unbequem betrachtet. NICHTS TUN LÖST KEINE PROBLEME.
Wir können nur gewinnen wenn wir aktiv und kreativ sind. Nichtstun, bequem sein, schafft Probleme!
Wir brauchen junge wilde und erfahrene, ältere Kollegen in einem Boot um wirkungsvoll und kreativ Standespolitik gestalten zu können.
Wir brauchen das Zusammenspiel und eine Zusammenarbeit von Kolleginnen und Kollegen aus allen Verbänden und Fraktionen.
Misstrauen muss abgebaut werden!
Dabei müssen auch persönliche Verletzungen und emotionale Verwerfungen überwunden werden.
Es geht um die Sache und nicht um Personen!
Wir wollen und müssen daher Brücken bauen.
Nur die Bündelung von Kompetenz und Engagement um der Sache Willen kann uns, über alle Gräben hinweg, wieder nach Vorne bringen!
Der Wechsel muss her- Mehrheiten und Koalitionen müssen sich verschieben und verändern, um Standespolitik zu modernisieren.
Wir brauchen das Engagement der Kollegenschaft für Gestaltung und Erhalt unseres freien Berufes und nicht für hausgemachte Streitigkeiten!!!!
Wir, die Kolleginnen und Kollegen der Freien Liste - F L , stehen dafür !
BÜROKRATIEABBAU
Die Bürokratisierung des gesamten Gesundheitswesens, insbesondere der Zahnheilkunde, ist gekennzeichnet durch eine Überhäufung an Regelungen, Vorschriften, Gängelungen, die sich wie eine Epidemie ausbreiten.
Einleitungsverordnung,Medizinproduktegesetz, Brandschutzverordnung,Qualitätsmanagement, Hygieneverordnungen etc. sind nur einige Beispiele.
Immer wieder wird aber deren Notwendigkeit behauptet, um angeblich aus diesem Kontrollnetz heraus, das sich immer mehr als Falle, als Spinnennetz erweist und nur Freiräume einengt,Fremdbestimmung durchzusetzen. Diese Freiräume aber sind für eine starke Motivation für den Praxisalltag notwendig. Sie sind eine Basis unseres so genannten freien Berufs.
Mit Gesetzesneuerungen, Änderungen, Vorschriften etc. ist noch kein Patient behandelt worden. Die Kollegenschaft wird demotiviert, wenn Zahnärzte nicht konstruktiv und offener Kommunikation an der tatsächlich notwendigen Bürokratie mitgestalten können. Zuviel Bürokratie kostet Geld, auch Patientengeld, viel Zeit und hält von der eigentlichen Behandlungstätigkeit ab. Die Bürokratie wuchert und wird schon oft zum Selbstzweck für Politiker und Funktionäre und wirkt wie ein „Perpetuum mobile“.Die Belange der Patienten und Zahnärzte müssen im Mittelpunkt stehen, ohne Bevormundung muss gestaltet werden können. Unser freier Beruf ist zu verteidigen.
Dennoch heisst es aber auch, polemische Verunglimfpungen von Poltik und Politikern zu vermeiden. Wir müssen stets auch die Chancen in den Veränderungen wahrnehmen.
QM – QUALITÄTSMANAGMENT
Betrachtungsweise der etablierten Verbände ( vgl. BZZ 05/07 )Qualitätsmanagement ist demnach „Einmischungselement, Speerspitze eines machthungrigen und steuerungswütigen Staates, Vertrauensschwund des Staates gegenüber der ärztlichen und zahnärztlichen Praxis, Zwangsformation, Umwandlung zum Schablonenzahnarzt.“... Zitat:“Der Staat hat sein hässliches und mechanisches Denken seiner erbärmlichen Politiker gegenüber der Ärzteschaft wieder einmal offenbart“... Es wird von „tumbem“ Parlamentsstaats-Bürokratismus gesprochen.
Das sind Ausschnitte einer Stellungnahme des Verbandes der Zahnärzte von Berlin zum Qualitätsmanagement das 1996 von den Kultusministern der Länder initiiert wurde.Das ist Teil der „konstruktiven“ Kommunikation des größten Berliner Zahnärzteverbandes. Dem wurde von etablierten Standespolitikern und Vorstandsmitgliedern des Verbandes der Zahnärzte von Berlin etc. nicht widersprochen.
Welcher Politiker hat bei dieser Kahlschlagdiktion noch Respekt und Bereitschaft zur offenen Kommunikation mit der Zahnärzteschaft? Wo ist da die konstruktive, positive Streitkultur? Konstruktiv sind u.a. die Fragen: wozu soll Qualitätsmanagement dienen? Wo liegt die Intention der Gesundheitspolitik?
Wir gehen davon aus, dass die Praxisorganisationen optimiert werden, hinterfragt werden, damit Verbesserungen für die Patientenversorgung und der Behandlungsabläufe möglich werden. Im „Nebeneffekt“ ist bei einer konsequenten Umsetzung durchausgrößerer wirtschaftlicher Erfolg der Praxis zu erreichen. Bei Unbeweglichkeit, durch Schmoren im „eigenen Saft“, bei Fortbildungsmüdigkeit werden keine zukunftsorientierten Fortschritte für den täglichen Praxisalltag erzielt. Der Gesetzgeber hat vorgeschrieben, dass bis zum 01.01.2011 ein internes Qualitätsmanagement eingeführt sein muss. Erwartungen und Zufriedenheit vor dem Hintergrund der modernen wissenschaftlichen Zahnheilkunde, der Fort-und Weiterbildung spielen dabei die entscheidende Rolle.
Die Sicherung der Praxisorganisation und die Qualität der zahnärztlichen Arbeiten muss beim Zahnarzt selbst liegen. Dem geschulten zahnärztlichen Sachverstand müssen die wissenschaftlichen Kriterien der Deuteschen Gesellschaft für Zahn-Mund-u.Kieferheilkunde(DGZMK) zugrunde liegen.
Die Fortbildungspflicht wird daher von der FREIEN LISTE FL betont.
FORTBILDUNG
Die Fortbildung nach der Approbation steht im Mittelpunkt der Qualifikationserhaltung. Nicht nur den zunehmenden technischen Anforderungen im Praxisalltag wird durch kontinuierliche, qualifizierte, strukturierte Fortbildung begegnet. Das Selbstverständnis des verantwortungsvoll praktizierenden Zahnarztes zieht seine Sicherheit aus kontinuierlicher Fortbildung, um „auf der Höhe der Zeit“ im Berufsalltag bleiben zu können. Stillstand, die Nichteilnahme an Fortbildungsangeboten ist fachlicher Rückschritt!Das gilt auch für strategisches, pragmatisches Management in der Praxis und für die Persönlichkeitsentwicklung jedes Kollegen, jeder Kollegin und jeder Helferin ( ob ZMF, ZMV oder DH ).
Die für unsere Berufsausübung stets selbstverständliche und selbstverpflichtende Fortbildungstätigkeit ist im GMG von 2004 im §95d SGB V staatlicherseits festgeschrieben worden.
Wiederum ist unser „freier Beruf“ ein Stück „unfreier“ geworden.
Wiederum haben wir ein Mehr an Bürokratie, Verwaltungsaufwand und Kontrolle hinzunehmen- sicherlich.
Wiederum aber haben wir auch ein Mehr an Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeit für die Selbstverwaltung erhalten.Dieser §95 d und die geforderten 125 Fortbildungspunkte sollten uns nicht schrecken.
Wir selbst müssen aber darauf achten, seriöse und solide Fortbildungen anzubieten und angeboten zu bekommen.
Wir selbst müssen darauf achten, dass diese Fortbildungen der Qualitätssteigerung und dem Wohle der Patienten dienen, und nicht den kommerziellen Interessen einzelner Anbieter.Die in unseren Berufsordnungen seit Jahrzehnten festgelegte Fortbildungspflicht ist Grundlage gewesen für die Leistungen und den hohen Standard zahnmedizinischer Versorgung in Deutschland.
Wir selbst müssen darauf achten, dass rein kommerzielle Anbieter diesen Sinn und Zweck nicht konterkarieren. Die Fortbildungsangebote in Berlin müssen im Wesentlichen so praxisbezogen sein, das sie in kurzer Zeit im Praxisalltag umgesetzt werden können. Entsprechende Curricula sind dafür zu entwickeln, wo sie nicht schon aktuell in unserem Pfaff-Institut angeboten werden.Ständige Vergleiche und Austausch mit den Fortbildungsangeboten anderer Zahnärztekammern und den Kammern nahe stehende Instituten sind erforderlich, um im Qualitätswettbewerb der Institute bestehen zu können. Unser Philipp-Pfaff-Institut befindet sich bereits auf einem guten Weg.
Fort- und Weiterbildung müssen auch weiterhin von uns Zahnärzten verantwortlich gestaltet werden. Gerade vor der Diskussion des Bologna-Prozesses mit den Ansätzen zur intensiven Veränderung des Zahnmedizinstudiums. Wege zur Mitgestaltung auch der Approbationsordnung müssen endlich gefunden werden.
Kollegialität ----- jetzt erst recht!
Der kollegiale Umgang und die Wahrung gemeinsamer Interessen
Wir sind der festen Überzeugung, dass nur eine geschlossene Kollegenschaft den Ausgleich zwischen den einzelnen Interessen jedes Kollegen erreichen kann. Nur auf diesem Wege können wir auch unserer gemeinsamen sozialen Verantwortung Gerecht werden. Nicht zuletzt hat auch der finanzielle druck auf die einzelnen Praxen in den vergangenen Jahren zugenommen.
Durch das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz, integrierte Versorgungsmodelle, die selektivverträge mit einzelnen Krankenkassen sowie die zunehmende Spezialisierung innerhalb unseres Berufsstandes und den damit zunehmenden Einzelinteressen der Fachgruppierungen kommt es zur Aufweichung unserer körperschaftlichen Strukturen.Jeder Kollege in seiner Praxis sieht sich wachsender Konkurrenz und wettbewerblichen Auseinandersetzungen gegenüber. Freigabe der Werbemöglichkeiten bis hin zu billigen Reklameaktionen sind Zeichen der drohenden Vergewerblichung unseres Berufsstandes.Gesundheit und medizinische Therapien dürfen nicht zu beliebigen Konsumgütern verkommen. Sie sind keine Konsumprodukte.
Die Qualität muss im Mittelpunkt stehen – und nicht der schöne falsche Schein der Werbewelt. Wir müssen unsere wissenschaftlich fundierte, professionelle und am wohl und der Gesundheit unserer Patienten orientierte Berufsausübung erhalten, denn das ist ein sehr hohes Gut! Wir müssen sehr aufpassen, dass im Zuge dieser Veränderungen unser freier Berufsstand nicht willfährig einem vermeintlichen und kurzfristigen erfolg einiger weniger geopfert wird!
Die schon lange zu recht scharf kritisierte staatliche Bevormundung, die wachsende Einmischung in unsere Therapiefreiheit und der schon heute immense bürokratische Aufwand wird nicht weniger- eher dürfte er zunehmen, wenn nicht mehr Kammern und KZVen als Vertreter von ca. 75000 Zahnärzten sprechen , sondern jeder dieser 75000 als Einzelkämpfer sehen muss, wie er sich in diesem Spannungsfeld bewegt.Langfristig ist bei der Gesundheitsfinanzierung vor dem Hintergrund volkswirtschaftlicher Entwicklungen mit keinem Füllhorn zu rechnen. Jeder sollte aber sein wirtschaftliches auskommen und den erfolg seiner Praxis wahren und mehren können. Prozesse, die in einer marktwirtschaftlich ausgerichteten, offenen Gesellschaft und in vielen Berufsbereichen selbstverständlich und notwendig sind, treffen auch für die medizinischen berufe zu.
Gesundheitspolitik muss jedoch mehr sein, als rein wirtschaftlich ausgerichtetes handeln.
Gesundheitspolitik muss auch ein Zeichen gesamtgesellschaftlicher Verantwortung und des Niveaus solidarischen Miteinanders als Ausgleich zwischen starken und schwachen in einer modernen Gesellschaft sein.
Kollegialität und die berechtigten und notwendigen Einzelinteressen dürfen daher keine Gegensätze sein.
Vielmehr ist es gerade heute wichtig, dass wir als Kollegen zusammenstehen und uns unserer Fähigkeiten und unserer gemeinsamen Verantwortung für das ganze bewusst sind.
Vielleicht ist es schwerer geworden, kollegial miteinander umzugehen- wir aber sind sicher, dass nur aus intakten Körperschaften heraus, die sich auf sehr breite Mehrheiten stützen, mit liberaler Standespolitik von und für alle Kollegen unserer freier beruf erhalten bleiben kann.
Wir müssen wieder anfangen miteinander zu reden, uns auszutauschen und rationale antworten und Lösungen auf die erheblichen Veränderungen finden.
Kollegialität muss dabei selbstverständlich auch vorgelebt werden.
Wir brauchen dazu transparentere Körperschaften und sachlich kompetente, maßvolle und vertrauensvolle Repräsentanten.
Wir brauchen einen Wechsel der alten, festgefahrenen Mehrheiten und ein aufbrechen gewachsener Abhängigkeiten und Verbindungen.Wir brauchen gebündelte Sachkompetenz und Engagement aus allen verbänden und Gruppierungen.
Wir brauchen weniger Eitelkeiten, weniger finanzielle Eigeninteressen und Abhängigkeiten.
Wir brauchen eine bessere, positivere öffentliche Wahrnehmung unserer Berliner Zahnärzteschaft.
Bei allen hausgemachten Defiziten und Fehlern, die zu Recht kritisiert und verfolgt werden, sollten sich alle verbände bemühen, diese Probleme wieder sachlicher zu lösen.
VERTRAGSARZTRECHTSÄNDERUNGSGESETZ
Das Berufsrecht soll beweglicher gestaltet werden, damit wir Zahnärzte flexibler auf veränderte Berufssituationen reagieren können.
Nachteilig bei dem jetzt vorliegenden Vertragarztrechtsänderungsgesetz ist, dass das Sozialrecht quasi über das zahnärztliche freie Berufsbild gestellt wird. (vgl. ZM 13 / 1.7.2006 )
Das Heilberufsrecht, das in Länderkompetenz liegt, wird durch bundesrechtliche Vorgaben überdeckt. Die neuen Kooperationsmöglichkeiten z.Bsp. Versorgungszentren müssen auf die Grundsätze der Freien Berufsausübung hin überprüft werden. Die zahnärztliche Leistung darf nicht als anonyme Dienstleistung eines MVZ definiert und verstanden werden, bei dem womöglich anonyme Geldgeber Weisungsrechte haben.
Die INTENSIVE, DIREKTE ZAHNARZT-PATIENTENBINDUNG muss erhalten bleiben.
Nicht die bloße Gewinnorientierung des MVZ darf Maßstab für zahnärztliches Handeln werden. Der drohenden Vergewerblichung müssen wir versuchen, Einhalt zu gebieten!!!
Wir müssen aber auch Antworten finden, für die Kollegen, die durch die heutige gesundheitspolitische Situation in finanzielle und berufliche Schieflagen gekommen sind.
Die Verteufelung von Selektivverträgen und IV- Modellen ist dafür kein geeignetes Mittel, so besorgniserregend sie auch für uns sind.
Wenn die Möglichkeiten der Anstellung von Zahnärzten verbessert werden sollen, muss auch mehr bezahlte Leistung möglich sein. Die Deckelung in einer solchen Konstruktion ist unsinnig.
Auch hier besteht noch viel Gestaltungsbedarf.
Mitarbeiter/ ZFAs /Prävention
Erfolgreiche und qualitativ gute Zahnheilkunde kann nur im Team aus Zahnarzt und Zahnmedizinischer Fachangestellten erreicht werden. Die hohen Anforderungen an die Qualität der Ausbildung zur ZFA sowie der beruflichen Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote müssen daher in unserem Interesse liegen. In dem Rahmen, in dem sich unser Beruf wissenschaftlich und in seinen qualitativen Anforderungen weiterentwickelt, muss sich auch das Berufsbild der ZFA anpassen. Auch unsere Mitarbeiterinnen müssen auf dem aktuellen Stand zahnmedizinischer Berufsausübung stehen. Die Reduzierung von Ausbildungszeiten auf zwei Jahre, wie in Pilotprojekten angedacht, muss vor diesem Hintergrund abgelehnt werden.
Tatsache ist auch, und dies insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen DMS IV- Studie, dass die Notwendigkeit von Prävention und Prophylaxe unverzichtbar ist. Gerade in diesem Zusammenhang spielen unsere Mitarbeiterinnen eine unverzichtbare Rolle. Mehrere hundert Mitarbeiterinnen haben sich alleine in Berlin zur Zahnmedizinschen Prophylaxe Assistentin (ZMP) ausbilden lassen und leisten hervorragende Arbeit. Sie sind, trotz der jahrelangen Dämonisierung durch einzelne standespolitische Betonköpfe aus dem täglichen Bild unserer Praxen und unseres Leistungsspektrums nicht mehr wegzudenken.Im Gegenteil !
Die DMS IV Studie belegt, dass gerade im Bereich parodontaler Erkrankungen ein immenser Therapiebedarf besteht. Im Rahmen des Kassenrechtes und der Rahmenverträge ist dieser Bedarf nicht zu decken. Erkennen wir doch die Chancen, die in den Weiterbildungen zur ZMP und zur DH liegen. Die Einbindung der DH in zahnärztliche Praxiskonzepte ist für uns dabei besonders wichtig.
Ärztliche Kompetenz und die Kompetenz unserer professionell weitergebildeten Mitarbeiter unter einem Dach erhöhen die Qualität unserer Arbeit und das Vertrauen unserer Patienten.
Dämonisierung und Schreckensszenarien einiger standespolitischer Kollegen gegen die DHs als Zeichen insbesondere wirtschaftlicher Ängste sind falsch und halten diese Entwicklung nicht auf. Vielmehr verhindern sie die Weiterentwicklung unseres Berufsbildes mit all unseren notwendigen Partnern und treiben die DHs und ihre Verbände von uns weg.
SELBSTVERSTÄNDLICH MÜSSEN WIR ZAHNÄRZTE UNSERE KOMPETENZ UND GRUNDVERANTWORTUNG FÜR DIE BEHANDLUNG UNSERER PATIENTEN,WIE IM ZAHNHEILKUNDEGESETZ UND IN DER APPROBATIONSORDNUNG FESTGESCHRIEBEN, BEIBEHALTEN.